Folge 59: Nutri-Score in Deutschland – der zahnlose Tiger

Die heutige Podcast-Folge ist aktualitätsgetrieben. Das mag bei einem Podcast etwas schwierig sein. Ich probiere es dennoch. Gestern, am 30. September 2019, hat Ernährungsministerin Julia Klöckner den „Nutri-Score“ vorgestellt. Also eine Art Lebensmittel-Ampel, die Verbrauchern beim Einkaufen mehr Transparenz bezüglich der Inhaltsstoffe und der gesundheitlichen Einordnung eines verarbeiteten Lebensmittels geben soll. Bevor wir diesen Nutri-Score genauer beleuchten hier noch mein übliches Angebot. Bewerte meinen Podcast auf iTunes und ich schenke Dir mein Buch „Machs gut Dicker, für Männer die schlank, fit, stark und gesund werden wollen.“ Was musst Du dafür tun? Zunächst bewerte diesen Podcast auf iTunes mit einer Rezension. Mach dann einen Screenshot von Deiner Bewertung und schicke diesen Screenshot mit Deiner Adresse, an die ich das Buch schicken soll, per E-Mail an kontakt@machs-gut-dicker.de. Die ersten zehn Podcast-Hörer, die das machen, bekommen das Buch dann per Post zugeschickt. Und trage dich doch gerne auf meiner Webseite www.machs-gut-dicker.de für den Newsletter ein. Dafür gibt es auch ein Geschenk für Dich.

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Wie genau funktioniert der Nutri-Score

Zunächst will ich kurz erklären, was dieser Nutri-Score ist. Das ist im Prinzip eine Art Lebensmittel-Ampel, allerdings mit den fünf Farben Dunkelgrün, Hellgrün, Gelb, Orange und Rot. Die Farben sind auch noch mit den Buchstaben A bis E gekennzeichnet. Wie das ganze funktioniert, dürfte klar sein. Dunkelgrün beziehungsweise A ist sozusagen die Bestnote für ein verarbeitetes Lebensmittel und Rot beziehungsweise E ist das Gegenteil. Der Verbraucher soll also möglichst einfach und schnell erkennen, ob ein Lebensmittelprodukt eher gesund oder ungesund ist.

Nutri-Score
Nutri-Score

Der Nutri-Score wird mit den Nährwertangaben für 100 Gramm Produktgewicht ermittelt. Dazu werden gute und schlechte, oder sagen wir gesunde und weniger gesunde Nährwertangaben miteinander in Beziehung gesetzt. Zu Abwertung führt beispielsweise ein hoher Gehalt an Zucker, gesättigten Fettsäuren, Natrium aber auch ein hoher Kaloriengehalt. Zu Aufwertung führt beispielsweise ein hoher Gehalt an Protein, Ballaststoffen und auch natürlichen Zutaten wie Obst, Gemüse oder Nüssen. Schlechte Nährwerte bekommen einen Punktwert zwischen null und zehn und die guten Nährwerte einen Wert zwischen 0 und fünf. Dann werden die Werte miteinander verrechnet. Heraus kommt eine Gesamtpunktzahl zwischen -15 und +40. Diese Punktzahl wird dann auf der Fünfer-Skala von A beziehungsweise Dunkelgrün bis E beziehungsweise Rot eingeordnet. Der Nutri-Score wird auf alle verarbeiteten Lebensmittel außer aromatischen Kräutern, Kaffee, Tee und Hefe sowie für alle Getränke außer Alkoholika angewendet.

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Wenn ein Unternehmen sich für die Verwendung des Nutri-Scores anmeldet, hat es zwei Jahre Zeit, alle seine Produkte mit dem Nutri-Score auszuzeichnen. Es dürfen dabei auch keine Ausnahmen für solche Produkte gemacht werden, die einen schlechten Nutri-Score bekommen würden. Sprich der Hersteller muss auch „rote Produkte“ mit dem entsprechenden Nutri-Score auf der Packung erkennbar machen. Die Community-Datenbank von https://world.openfoodfacts.org sammelt Informationen zum Nutri-Score von Produkten weltweit. Die Datenbank kannst Du auch als App für Dein Smartphone bekommen.

Der Geburtsfehler von Nutri-Score in Deutschland

Kommen wir nun zum von Klöckners Julchen gestern für Deutschland vorgestellten Nutri-Score. Denn dieser hat meiner Meinung nach quasi einen schweren Geburtsfehler. Er ist freiwillig und nicht verpflichtend. Deutsche Lebensmittelhersteller können daran teilnehmen und sich diesem System anschließen, aber sie müssen es eben nicht. Nehmen wir einen Hersteller von Chips und Knabberzeug. Dessen Produkte hätten das rote E sozusagen auf Dauer abonniert. Wenn aber von jeder Chipstüte der rote Nutri-Score davor warnt, dass der Inhalt alles andere als gesund ist, dann würde das ja das Marketing der Unternehmens stören und könnte den Umsatz schmälern. Die Motivation, den Nutri-Score anzugeben, dürfte vermutlich gegen Null tendieren.

Ministerin Julia Klöckner selbst war es, die lange die Einführung einer Lebensmittel-Ampel ausgebremst hat. Und die Lebensmittelindustrie wehrt sich seit Jahren mit Händen und Füßen gegen eine solche Kennzeichnung. Warum wohl? Jetzt hatte Klöckner eine Befragung in Auftrag gegeben und festgestellt, dass die meisten Verbraucher den Nutri-Score wollen. Nun führt sie diesen medienwirksam ein und erklärt: „Damit treffe ich eine valide Entscheidung in einer Debatte, die seit Jahrzehnten sehr emotional – teils auch polarisierend – geführt wird.“ Aber durch die Tatsache, dass der Nutri-Score freiwillig und nicht verpflichtend ist, bietet sie der Industrie eine Hintertür. Für die Einführung des Nutri-Scores soll im Herbst eine entsprechende Verordnung erlassen werden, die dann durch die EU-Kommission gebilligt und dann vom Bundesrat bestätigt werden muss, damit sie dann in Kraft treten kann.

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Mein Tipp: Schau Dir die Inhaltsangaben auf den Packungen an

Der Nutri-Score mag, wenn er denn auf der Packung zu finden ist, ein guter Anhaltspunkt oder eine Orientierungshilfe sein. Aber mein Tipp ist: Schau Dir die Inhaltsangaben auf der Packung an. Diese sind nämlich verpflichtend. Der Hersteller muss angeben, was er alles in sein Produkt hinein rührt. Dazu gehören genaue Angaben zum Fettgehalt, zum Kohlenhydrat- und Zuckergehalt und zum Eiweißgehalt. Auch die konkreten Inhaltsstoffe muss er benennen. Das, wovon am meisten drin ist, muss dabei an erster Stelle stehen und so weit er und so fort.

Hier ein Beispiel: Ich war vor ein paar Wochen zum grillen eingeladen und dort stand die Grillsoße eines Nobelherstellers auf dem Tisch. An erster Stelle der Inhaltsstoffe stand Zucker und das aus gutem Grund: 100 Gramm dieser Soße hatten 76 Gramm Zucker. Über drei Viertel dieses Produktes bestehen also aus reinem Zucker. Die Inhaltsangaben auf den Packungen sind meiner Meinung nach recht leicht verständlich und geben gut Aufschluss, ob das Produkt gesundheitlich unbedenklich ist, oder nicht. Ob es durch zu viele Kohlenhydrate und vor allem Zucker ein Dickmacher ist oder nicht. Wenn Dich dieses Thema ausführlich interessiert, empfehle ich Dir mein Buch „Machs gut Dicker – Für Männer, die schlank, fit, stark und gesund werden wollen.“ Dort gehe ich sehr ausführlich darauf ein, was man alles aus den Inhaltsangaben herauslesen kann. So, das war mein aktueller Beitrag zur Einführung des Nutri-Scores in Deutschland. Meine Meinung nochmal zum Schluss. Solange der Nutri-Score nicht für alle Hersteller verpflichtend eingeführt wird, sondern auf Freiwilligkeit setzt, ist das ganze ein zahnloser Tiger, eine Mogelpackung, die Ministerin Klöckner uns da schmackhaft machen will.

Music from https://filmmusic.io: “Tablamixx” by Sebsdor (https://www.72grad.de/) Licence: CC BY-SA + (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)

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