Folge 71: Die nutzlosesten Diäten – Heute: Die Kohlsuppendiät

In Folge 69 hatte ich ja gesagt, dass ich Dir in loser Reihenfolge Diäten vorstellen werde und Dir jeweils erkläre, warum die meiner Meinung nach nichts Taugen. Heute wollen wir uns die nächste Diät vornehmen. Es geht um eine Diät die vielen einen Schauer üb er den Rücken jagt. Denen, die sie ausprobiert haben, aber auch denen, die nur davon gehört haben. Es geht um die berühmt-berüchtigte Kohlsuppendiät.

Kohlsuppe ohne Ende

Die Kohlsuppendiät besteht im wesentlichen aus Kohlsuppe, von der Du soviel essen darfst, wie Du willst. Man muss sich nicht auf diese Suppe begrenzen, auch wenn sie der Schwerpunkt der Diät ist, denn man darf einige ergänzende Lebensmittel essen.

Der Vorteil der Kohlsuppe ist wohl, dass man nicht hungert, denn von der Suppe und auch den begleitenden Lebensmitteln darf man im Prinzip soviel essen wie man will, es gibt keine Begrenzung. Sobald man Hungert verspürt, darf man die Suppe löffeln. Die Grundsuppe ist recht einfach zubereitet und man kann sie auf Vorrat machen, damit man sich im Bedarfsfall schnell einen Teller heiß machen kann. Das Grundrezept besteht aus folgenden Zutaten:

1 Kopf Weißkohl
1 Kilo Karotten
5 bis 7 Zwiebeln je nach Größe
1 Paprika
1 Stange Staudensellerie
5 bis 8 geschälte Tomaten je nach Größe
Suppenkräuter wie Petersilie
Gewürze, vor allem Kümmel, Pfeffer und wer es scharf mag auch Chili

Daraus kocht man die Suppe. Der Kümmel soll diese leichter verdaulich machen. Neben der Kohlsuppe sind ergänzend noch Rohkost aus Obst und Gemüse erlaubt und auch etwas mageres Fleisch wie Rindfleisch, Geflügel oder Fisch. Das allerdings nicht nach Belieben, sondern nur an bestimmten Tagen, also nach einem Diät-Fahrplan. Aber der Löwenanteil Deiner Mahlzeiten besteht eben aus Kohlsuppe.

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Dieser Kohlsuppendiät werden wahre Wunder nachgesagt. In einer Woche soll man damit sagenhafte fünf bis acht Kilo abnehmen können. Wenn man die Kohlsuppendiät länger beibehält verlangsamt sich das Tempo der Abnahme.

Die Kohlsuppendiät gilt als echter Fatburner, weil sie sehr wenig Kalorien hat, aber viele schwer verdauliche Ballaststoffe. Und diese Ballaststoffe sollen angeblich dafür Sorge tragen, dass alleine die Verdauung mehr Kalorien verbraucht, als in der Suppe stecken. Aber es fehlen wissenschaftliche Belege für diese Wirkung. Die Kohlsuppendiät soll auch Deinen Körper entschlacken. Aber es gibt im Prinzip keine medizinischen Belege, dass sich in Deinem Körper tatsächlich Schlacken ansammeln, die Du durch Fasten oder andere Methoden „ausschwemmen“ kannst. Dein Körper mistet sozusagen sowieso dauernd von ganz alleine und ohne fremde Hilfe aus.

Das die Kohlsuppendiät zumindest am Anfang so gut wirkt hat zwei miteinander zusammenhängende Gründe. Zunächst ist diese Diät nichts anderes als eine deutliche Kalorienreduktionsdiät. Sprich Du bleibst mit Deiner Ernährung während der Diät in einem Kaloriendefizit. Und wenn Du vorher eben mehr Kalorien gegessen hast, als Du tatsächlich brauchst, dann sorgt dieser Wechsel von einem Kalorienüberschuss zu einem Kaloriendefizit eben dafür, dass Du anfangs sehr eindrucksvolle Gewichtsverluste auf der Waage verbuchen kannst. Der wesentliche Teil davon ist sowieso in deinen Zellen eingelagertes Wasser, sodass Du eben anfangs vor allem Wasser ausscheidest und die massive Abnahme nicht mit dem Abbau von Fett zu erklären ist. Und weil Du dich mit diesen sehr „energiearmen“ Lebensmitteln satt essen darfst – die Dehnung des Magens sorgt für ein Völlegefühl – spürst Du wohl auch keinen Hunger. Das dann nach einer gewissen Zeit ein Gewöhnungseffekt eintritt und dann nach dem anfänglichen Wasserverlust, der so toll auf der Waage aussieht, schließlich Fett aber auch Muskeln abgebaut werden – zumindest wenn Du nicht trainierst und die Muskeln stärkst – wird der Gewichtsverlust pro Woche dann geringer.

Apropos Muskeln. Die Kohlsuppendiät ist sehr eiweißarm, denn außer dem ab und zu erlaubten, mageren Fleisch ist in den erlaubten Lebensmitteln sehr wenig Eiweiß enthalten. Das fördert den Muskelabbau und zwar vor allem, wenn man die Kohlsuppendiät nicht als einwöchige Abnehm-Kur, sondern längerfristig betreibt. Aber Muskeln sind für den Körper nicht nur grundsätzlich sondern auch beim Abnehmen wichtig, verbrennen sie doch Energie, die dann eben nicht in den Fett-Reservetank gepackt wird. Weniger Muskelmasse bedeutet weniger Kalorienverbrauch und damit nimmt man schlechter ab. Das ist also ein wesentlicher Nachteil der Kohlsuppendiät.

Kohlsuppendiät macht einsam

Also nochmal, der Effekt der Kohlsuppendiät entsteht durch die deutlich geringere Kalorienzufuhr und das damit entstehende Kaloriendefizit. Die Kohlsuppe hat aber auch Nebenwirkungen, denn sie macht sozusagen einsam. Kohl gehört zu den stark blähenden Lebensmitteln. Und wenn Du bisher wenige solcher Lebensmittel gegessen hast, dann wirst Du Blähungen bekommen. Mit unter massive Blähungen, die nicht nur für dich, sondern auch dein Umfeld lästig sind. Vor einige Jahren hat eine Bekannte von mir die Kohlsuppendiät ausprobiert und sie sagte mir nach wenigen Tagen auf die Frage, wie es ist: „Andreas, auf Deutsch gesagt, ich furze mich tot“. 

Auch wenn es verschiedene Rezepte für Kohlsuppe gibt, im Endeffekt isst Du tagelang eben Kohlsuppe und das wird irgendwann langweilig, auch wenn Du mit Rohkost und den anderen erwähnten Lebensmitteln ergänzen darfst. Auch meiner Bekannten hing die Kohlsuppe nach fünf oder sechs Tagen absolut zum Halse heraus. Das bremst Deine Motivation und das Durchhaltevermögen aus.

Es droht der JoJo-Effekt wie bei vielen Crash-Diäten

Und wenn Du nach dieser Kohlsuppen-Fastenkur, die tatsächlich vier bis sechs Kilo in einer Woche verschwinden lassen kann, wieder normal isst und dieses normal Essen bei Dir eben bedeutet, dass Du dich falsch, ungesund und kalorienüberschüssig ernährst, dann kommen all die verlorenen Kilos schnell wieder und nicht selten bringen sie sogar noch ein paar Kumpels mit. Alle Diäten, mit denen man sehr schnell sehr viel abnehmen kann, ziehen meist den JoJo-Effekt nach sich. In der Medizin sind solche Crash-Diäten deshalb auch sehr umstritten und nicht gerne gesehen.

Wie ich in mein Buch „Machs gut Dicker – Für Männer, die schlank, fit, stark und gesund werden wollen“ erkläre, halte ich nichts von Diäten. Der bessere und auch alltagstaugliche Weg ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche und gesunde Ernährung mit einer hohen Nährstoffdichte und einer niedrigen Energiedichte. Eine abwechslungsreiche Ernährung, die Du jeden Tag anwenden und vor allem auch genießen kannst. Eine Ernährung, die Deinen Körper mit allem versorgt, was er an Nährstoffen braucht. In meinem Buch stelle ich dieses Konzept sehr ausführlich vor.

Also, lass dich in Sachen Abnehmen nicht mit Diäten verkohlen!

Hast Du Fragen? Hast Du Themenwünsche für meinen Podcast? Dann lass es mich wissen. Schreibe einen Kommentar zu diesem Podcast oder schreibe mir eine E-Mail an kontakt@machs-gut-dicker.de.

Bis zum nächsten Mal

Music from https://filmmusic.io: “Tablamixx” by Sebsdor (https://www.72grad.de/) Licence: CC BY-SA + (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)

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